Der Berater
post Kategorie: Beim Kunden,Reisen,Software post Kommentare (0) post14. Juni 2011

Es geht nicht um Motoren oder das Stimmen von Streichinstrumenten für Anglophile, sondern um Software. Das ist schließlich mein Job.

Damit sind wir wieder zurück in der harten Arbeitswelt. Naja, so hart ist sie in Indonesien ja nicht. Ich erinnere an dieses treuherzige Versprechen, das man mir einmal gemacht hat, als ich nach einem Verfügbarkeitsdatum gefragt habe: “Maybe as soon as possible”. In diesem Stil geht es weiter.

Ich bin hergekommen, weil die Echtzeit-Anwendung, die ich im vergangenen Jahr gebaut hatte (mehr dazu zum Beispiel hier), ein paar Probleme mit dem Durchsatz hatte. Und außerdem könnte ich doch noch dieses SMS-Geschichte aus dem Februar … oh, das habe ich noch gar nicht berichtet, das wird sehr bald nachgeholt! Und wenn dann noch Zeit bleibt, gäbe es da einen “Change Request” … Ihr seht schon, meine Aufgaben waren wieder einmal mit beispielhafter Klarheit umrissen, so wie ich es in meinen indonesischen Projekten gewohnt bin.

Als erstes stand die Steigerung des Durchsatzes an. Die Software-Welt spricht hier wirklich von Tuning. Das war nun eine leichte Übung. Der Engpass war eigentlich schon vorher klar, aber es waren ein paar Gespräche nötig, um den Kunden davon endgültig zu überzeugen und den Weg absegnen zu lassen, auf dem das Problem beseitig werden sollte. Der Rest war eine kleine, feine Programmierübung, die in zwei Tagen beendet war. Einen halben Tag habe ich noch mit Messungen verbracht, um zu demonstrieren, dass die Anwendung jetzt gut sechsmal schneller läuft als vorher. Damit war klar, dass unser Kunde in den nächsten Jahren mit der Hardware und mit den Software-Lizenzen auskommen wird, die er schon hat. Entsprechend breit war das Lächeln, das mir entgegen strahlte. Ehrlich gesagt hätten die Entwickler hier alles selbst machen können. Sie haben die Fähigkeiten dafür, aber es mangelt an der Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Die schiebt man lieber auf den Hersteller ab. Für uns ist das durchaus akzeptabel, weil wir dadurch immer mal wieder vor Ort sind und erfahren, was gerade passiert, und was geplant ist.

Meine Arbeit und meine Anwesenheit hier haben dann auch dazu geführt, dass es intensive Diskussionen um einen “Change Request” gab, der zu einer wesentlichen Erweiterung des Funktionsumfangs führen wird. Die Spezifikationen waren so unklar, dass eine Aufwandsabschätzung völlig unmöglich war – und immer noch ist. Allerdings haben die Gespräche dann ergeben, dass man ohnehin erst das machen möchte, was mehr oder weniger klar ist, und das wird ziemlich einfach werden. Also stehen die nächsten Aktivitäten hier unmittelbar bevor. Wenn ich ganz großes Glück habe, schaffe ich einen Großteil schon diese Woche. Den Rest erledige ich dann im Home Office.

Demnächst mehr zu der ominösen SMS-Geschichte.

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post Kategorie: Reisen post Kommentare (4) post13. Juni 2011

Doch, es gibt mich noch!

Es hat gute Gründe für mein langes Schweigen gegeben, aber es gibt noch mehr Gründe, das Schweigen zu brechen. Das wird nicht ganz einfach, weil es natürlich viel zu berichten gibt. Am besten fange ich hinten an.

Ich bin nicht in der Sundastraße verschollen, auch wenn es vorgestern einen Moment so aussah. Die Sundastraße ist – ich kann ja nicht voraussetzen, dass jeder weiß, wo sie ist – die Meerenge zwischen Java und Sumatra. Ich bin gerade mal wieder in Jakarta, also auf Java. Was hier im Job passiert, erzähle ich ein andermal. Zuerst das Wichtige! Übers Wochenende habe ich mir wieder eine Exkursion gegönnt, dieses Mal in den Westen Javas, an die Sundastraße. Zwei Gründe gab es dafür: zum Einen liegt da der Krakatau, zum Andern der Tanjung Lesung Sailing Club. Und ich wollte schon immer mal mit einem Laser über den Indischen Ozean kacheln. Entdeckt habe ich aber noch viel mehr, nämlich ein Stück Indonesien, in dem manche Menschen gerade 200000 Rupien pro Monat zur Verfügung haben, das entspricht 16 €, Straßen, die noch schlechter sind als die in Massachusetts, ein Hochseeangel-Turnier, dessen Teilnahmegebühr 2,7 Jahreseinkommen eines West-Javaners beträgt (siehe z.B. dieses Forum), aber auch eine atemberaubend schöne Landschaft, wunderbare Menschen und ein richtiges “Cast-Away”-Gefühl, denn dahin verirren sich nur ganz wenige, und zwar die ganz Harten … ich zum Beispiel.

Von Jakarta nach Tanjung Lesung habe ich mich noch komfortabel im Minivan transportieren lassen, danach hörte der Komfort auf. Ein Bintang (das enthält Zucker, entspricht also nicht dem Reinheitsgebot, auch wenn es sich Pilsener nennt), und dann ging es gleich aufs Boot. Satte zwei Beaufort … das ist perfekt, wenn man die Rollhalse üben will – das sah bei mir fast genau so aus, ehrlich! Dann etwas essen, mit David, dem Club-Chef und Sophie plaudern und dann natürlich noch einmal hinaus aus Wasser. Und da habe ich die Tücken der Seefahrt kennen gelernt. Bei etwa einer Meile vom Strand habe ich wieder munter gewendet und gehalst, und dann war plötzlich der Wind weg. Und zwar völlig weg. Ich habe mich mehrfach im Kreise gedreht, um ihn wieder zu finden, aber da war nichts. Das ist nichts Besonderes in der Gegend: wir haben Trockenzeit, es sollte Ostmonsun vorherrschen, aber der ist ohnehin schwach, und in der Bucht von Tanjung Lesung kann sich die Windrichtung genauso schnell ändern wie auf dem Genfer See. Irgendwann kam er dann wieder, aber aus einer ganz anderen Richtung. Naja, habe ich mir gedacht, das macht nichts, das passt schon, das sollte machbar sein. Nur habe ich nicht bedacht, dass mich in der Zwischenzeit die Strömung – denn die Sundastraße hat eine kräftige Strömung, die sich auch in der Bucht bemerkbar macht – so weit davon getragen hat, dass ich meine Landmarken, zum Beispiel den schönen CO2-Treiber in Labuan, ein Kohlekraftwerk chinesischer Provenienz, völlig aus den Augen verloren habe. Es hat ziemlich lange gedauert, bis ich herausgefunden habe, in welche Richtung ich zu steuern hatte. Glücklicherweise tauchte in diesem Moment das Motorboot des Clubs auf, um mir den Weg zu weisen, und außerdem hatte ich den Wind von achtern. Zwar bin ich einmal noch gekentert (besser umgekippt, denn mich hat einfach die Instabilität des Lasers bei Vorwindkursen erwischt, und ich bin bei einem Ausweichmanöver, bei dem ich die Schot nicht fest in der Hand hatte, zur segelabgewandten Seite, die man bei Vorwindkursen ja eigentlich nicht Luv nennen kann, in die Fluten getaucht), aber ich bin vor Einbruch der Dunkelheit wieder am Strand gewesen.

Am nächsten Tag war dann noch ein bisschen Segeln und eine Radtour, u.a. zur Siegerehrung des besagten Hochseeangel-Wettkampfs, angesagt – 40 kg Thunfisch haben gewonnen – und dann ging es mit dem ÖPNV zurück nach Jakarta. Viereinhalb Stunden in einem Bus, der nach europäischen Maßstäben völlig überfüllt gewesen wäre. Aber in Indonesien braucht der Mensch, nicht nur wegen seiner insgesamt geringeren Körpermaße, offenbar deutlich weniger Platz als in Deutschland. Um zehn Uhr abends konnte ich endlich meine Knochen im Hotel entfalten, nicht ohne Schmerz.

Das war also mein letztes indonesisches Abenteuer. Ich habe noch mehr über meine Arbeit hier in Jakarta, aber auch über München und – gebt es zu: Ihr wartet nur darauf – über Darmstadt zu berichten. Das kommt demnächst!

PS: Ich bitte gnädigst um Verzeihung für das Seglerlatein!

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post Kategorie: Allgemein,Beim Kunden,Kollegen,Reisen post Kommentare (2) post8. Dezember 2010

Am 23. September ist mein letzter Artikel erschienen. Und jetzt geht es schon stramm auf Weihnachten zu. Das ist wirklich eine lange Pause gewesen.

Dabei hat sich Einiges getan. Ich war zwischendurch beruflich in Boston, noch einmal in Jakarta, zwei Tage in London und privat in Südtirol. Also auf der faulen Haut habe ich nicht gelegen.

Boston war nötig geworden, weil ich mit unseren Entwicklern an einem Problem arbeiten musste, das uns im Projekt in Jakarta ein wenig Sorgen gemacht hat. Das kann man nur begrenzt mit Email und Chat koordinieren. Irgendwann wird es nötig, sich zusammen zu setzen. Seit vier Jahren bin ich nicht mehr in unserem Büro gewesen, ich habe mich sehr darauf gefreut, die Kollegen dort wieder zu treffen. Und in der Tat hatte ich eine arbeitsreiche, aber überaus angenehme Woche. Wir haben nicht nur unser Problem gelöst, sondern haben die Zeit auch genutzt, um den neuesten Tratsch auszutauschen, über das Wachsen der Firma zu staunen und Pläne für die Zukunft zu schmieden. Mein Bart (das Ergebnis unserer Segelwoche auf dem Chiemsee) hat natürlich Anlass zu Bemerkungen gegeben. Die originellste war: “You look a bit more left wing now”. Dixit Connie!

Nach Jakarta bin ich wieder geflogen, als dort der erste Teil unserer Anwendung in Produktion gehen sollte. Zehn Tage habe ich dieses Mal dort verbracht. Am Ende stand ein sauber laufender Betrieb und die Erkenntnis, dass der Kunde für das, was er plant, doch deutlich mehr Hardware und Software braucht als ursprünglich abgeschätzt. Einen großen Teil meiner Zeit habe ich daher damit verbracht, diese zusätzlichen Kosten genauer zu schätzen und Begründungen zu formulieren, warum es billiger nicht geht. Am Ende ist das ohne Murren akzeptiert worden, weil unsere Anwendung so viel mehr leistet, als erwartet worden war.

Tja, dann noch zwei Tage für eine Schulung in unserem englischen Büro in London: morgens hin, am Abend des nächsten Tages wieder zurück. Das war eigentlich nichts Besonderes. Wenn da nicht der Inhalt der Schulung gewesen wäre: eine neue Anwendung, die meinen neuen Rechner (4 Prozessoren und 8 GB Speicher) an die Grenzen seiner Belastbarkeit gebracht hat. Das wird für die Kunden, die es einsetzen wollen, keine einfache Sache. Und billig schon gar nicht!

Zwischen den Reisen lagen einige Home-Office-Tage. Und ich hatte endlich mal die Gelegenheit, auch unter der Woche mal zu musizieren. Das war auch nötig, wir haben richtig ernst geprobt, denn am 6. Januar steht ein Hausmusikabend mit Mozart und Brahms auf dem Programm. Ja, mein Privatleben hat auch wieder Fahrt aufgenommen, und traurig bin ich darum nicht. Mein Frau auch nicht, glaube ich.

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post Kategorie: Beim Kunden,Software post Kommentare (0) post23. September 2010

Gegen sieben Uhr abends war ich so weit, dass ich mir sagen konnte: ich habe das geschafft, was ich schaffen wollte, und darüber hinaus noch alle zusätzlichen Anforderungen abgedeckt, die in den letzten zwei Wochen aufgetaucht sind. Ich kann morgen ein beachtliches Ergebnis vorweisen. Das letzte Stück war heute ein raffiniertes Skript, das eine zentrale Kontrollaufgabe übernimmt. Sein Herzstück ist eine kleine Funktion, die ich in der Sprache unseres Produkts geschrieben habe. Damit habe ich uns hier mehr oder weniger verewigt.

Ich denke, der morgige Tag wird mit Aufräumarbeiten, einer sauberen Übergabe und Abschiednehmen angefüllt sein. Am Nachmittag werde ich zum Flughafen fahren. Mit mir fliegen noch drei Kollegen und ein Mitarbeiter unseres Integrationspartners, aber nur bis Singapur.

Jetzt freue ich mich wieder auf daheim, auf die Musiker-, Segler- und sonstigen Freunde.

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post Kategorie: Beim Kunden,Reisen post Kommentare (0) post22. September 2010

Ein älterer, leicht besoffener Herr … So fängt ein lesenswerter Artikel von Kurt Tucholsky an, in dem es um den Zustand der SPD geht. Seit den 20er Jahren hat sich hier wohl nicht viel geändert. Sei’s drum! Mir geht es jedenfalls ganz ähnlich wie dem Herrn bei Tucholsky, denn wir haben gerade einen feucht-fröhlichen Abend unter Kollegen gehabt (außer mir gab es noch noch zwei meiner Firma und einen unseres “Integrators”), in dessen Verlauf ich ein Erdinger Dunkel und ein paar Gläschen eines ordentlichen chilenischen Cabernet Sauvignons gekippt habe.

Über den heutigen Tag gibt es nicht viel zu berichten, außer dass es natürlich wieder völlig neue, unerwartete Anforderungen gab – zwei Tage vor meiner Abreise. Sagte ich schon, dass ich anfange, Darmstadt zu schätzen? Es lebe das Fachkonzept!

Also zurück zu Bali: Der Vulkan war ausgiebig abfotografiert, es ging zurück in Richtung Süden. Zwei offizielle Punkte standen noch auf dem Programm, und zwei Wünsche eines allein reisenden älteren Herrn. Der erste offizielle Punkt war das Hochlicht des Tages: ein hinduistischer Tempel namens Tirta Empul in der Nähe von Tampaksiring. Was für eine Entdeckung! Eigentlich ein “normaler” Komplex von zweifelsohne alten, aber nicht sonderlich beeindruckenden Gebäuden, wurde er gerade jetzt ungeheuer aufgewertet, weil nächste Woche – das hat mir unser “Integrator”-Kollege, der aus Indien stammt, bestätigt – eine wichtige hinduistische Zeremonie stattfindet. Der Komplex war voller Menschen, vor allem Frauen, die Opfergaben vorbereitet, die Gebäude geschmückt oder einfach miteinander gesprochen haben. Und die Stimmung war so etwas von friedvoll, freudig erregt, heiter … was auch immer Ihr für Wörter dafür findet. Daneben Leute, die einer Zeremonie folgten oder im heiligen Wasser badeten. Unbeschreiblich! Als überzeugter Nichtglaubender kann ich das nur mit der Johannespassion in der Thomaskirche zu Leipzig vergleichen: man wankt. Mein Führer Yadnya konnte sich kaum losreißen, und auch ich bin gern länger geblieben.

Es folgte der erste Spezialwunsch: die Reisterrassen, vehement gefordert von der mir Angetrauten. Zwei Kommentare: 1. Sehr hübsch. 2. Gibt’s auch auf Java, aber ohne die Kaffees und Lädchen für die Touristen, die zum Fotografieren kommen.

Und der zweite Spezialwunsch (vehement gefordert von … Ihr werdet’s erraten): der Markt von Ubud: mittlerweile der reinste Touristennepp, und das in strömendem Regen. Halt! Stop! Mein Führer Yadnya kam freudestrahlend mit zwei Taschen zurück. Fangen die Einheimischen an, ihren Markt zurück zu erobern?

Der letzte Programmpunkt war wieder ganz offiziell: eine Art Galerie, in der kleine, mittlere, große Gemälde balinesischer Künstler ausgestellt und zum Kauf angeboten worden sind. Ich bin von einem etwa 40-jährigen Mann übernommen worden, der sich als Maler vorgestellt hat. Er hat mich gleich gefragt, ob ich auch etwas mit Kunst zu tun habe. Ich habe das überzeugend bejaht und ihm wahrheitsgemäß gesagt, dass ich Cello spiele. Dass sich das in barer Münze auszahlen würde, habe ich erst später erfahren. Zunächst wurden mir die Gemälde gezeigt. Ich bekam zu sehen: Realisten, Naturalisten, Impressionisten, Abstrakte, Weniger Abstrakte, dazu Gauguin, Jackson Pollock, Georges Braque und viele mehr … alles für ein paar Dutzend Euros. Meine Kiefermuskeln fingen an, sich anzuspannen, damit man mein Gähnen nicht zu sehr bemerkte. Dann frage ich ihn, eher aus Höflichkeit: “Und was malen Sie so?”. “Come on”, hieß es, und er ging in eine Ecke, in der ein paar unscheinbare Miniaturen hingen: “Traditional style”, sagte er, und dieses Mal waren meine Kiefermuskeln entspannt, denn das Kinn klappte einfach herunter: lebhafte balinesische Szenen, in einem Stil, der wirklich die lokalen Traditionen spüren lässt, en détail, ganz akkurat gemalt, alles auf maximal 20 mal 20 Quadratzentimetern. Das ist das, was wir Europäer als “Feinmalerei” bezeichnen. Meine oben bereits erwähnte, energische, willensstarke Balikennerin, die überdies eine unbedingte Anhängerin dieses Malstils ist, wäre hin und weg. Eine Szene – die mit einem Barong, einem Geist, der in zweifelhaften Situationen für das Gute einsteht – musste einfach her.

Und ich fing an zu handeln. Der ursprüngliche Preis war für unsere Verhältnisse schon nicht übertrieben, für balinesische aber recht hoch. Mein Maler bot auf mein Stirnrunzeln hin sofort einen Europa-Rabatt an: seine Preise seien auf Amerikaner zugeschnitten. Um die Sache abzukürzen, hier gleich das Ergebnis: Mein Argument, dass man unter einkommensschwachen Künstlern doch solidarisch sein müsse (s.o.), hat ihn überzeugt, und wir sind uns bei der Hälfte des Preisschilds einig geworden. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich beinahe – aber auch nur beinahe – ein schlechtes Gewissen hatte, weil ich das Bild für wertvoller halte. Aber so sind sie halt, die großen Sammler meiner Art! Später gründe ich mal ein Museum, großes Softwareentwicklerehrenwort!

Vielleicht gibt’s morgen noch einen letzten indonesischen Beitrag, am Freitag geht es heim. Die Wies’n ist ja schon seit einer Woche aktiv, da muss ich jetzt hin! Glaubt Ihr’s?

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post Kategorie: Beim Kunden,Reisen post Kommentar (1) post21. September 2010

Das war heute ein langer, harter Tag. Nachdem ich gestern schon bis Mitternacht vor dem Rechner gesessen und heute auch schon Einiges hinter mir habe, kostet es mich ein bisschen Mühe, jetzt noch über den Sonntag in Bali zu schreiben. Aber zum Einen kam heute eine Email mit der Zeile:

All cases are correctly responded. Thanks.

(d.h. die funktionalen Tests sind erfolgreich abgeschlossen – für Grammatikfehler bin ich nicht verantwortlich), und zum Andern war der Sonntag nun wirklich so schön, dass es sich lohnt, ihn in Erinnerung zu rufen.

Um halb neun wurde ich abgeholt. Wie am Samstag wurde ich auch am Sonntag gleich wieder abgeladen, dieses Mal in einer Art Theater, in dem mir ein – ja, was war das eigentlich? – Ballett mit Sprecheinlagen oder Schauspiel mit Tanz vorgeführt wurde, das die Geschichte des ewigen Kampfs zwischen Gut und Böse darstellen sollte. Begleitet wurde die Handlung von einem ungefähr 20-köpfigen Gamelan-Orchester, das sich europäische Orchestermusiker einmal genau anschauen sollten, bevor sie sich über ihre eigenen Arbeitsbedingungen beklagen. Es schien mir, obwohl es sich um eine Veranstaltung für Touristen handelte, auf recht hohem Niveau, besonders was das Orchester angeht, das mit bewundernswerter Souveränität gespielt hat. Auch die Geschichte war bemerkenswert, weil es keinen klaren Ausgang gab: der Kampf geht nach mannigfachen Verwandlungen der handelnden Gestalten weiter: es gibt keine eindeutige Entscheidung.

Eine Stunde etwa hat das Spektakel gedauert, dann ging es weiter zu einer Kaffee-, Kakao- und Teeprobe an einem wunderschönen Ort mitten auf der Insel. Wieder war das dezent touristisch ausgerichtet: eine Frau hat in einer Pfanne Kaffee geröstet, daneben lagen Proben von Kaffeebohnen in verschiedenen Zuständen (frisch geerntet, getrocknet, geröstet), außerdem gab es Luwaks zu bewundern (lebend, schlafend), und man durfte probieren, um zum Kaufen angeregt zu werden. Den teuren Luwak-Kaffee habe ich links liegen lassen, aber ein bisschen normalen Kaffee, Kakao, Tee und ein paar Gewürze bringe ich mit.

Mitbringen werde ich auch ein hübsches Mahagony-Döschen, das ich in der nächsten Touristenfalle erstanden habe, einer Holzschnitz-Werkstatt bei Mas. Nein, ich beklage mich überhaupt nicht darüber, dass mir hier Dinge präsentiert worden sind, die zuvor für Besucher aufgearbeitet worden sind. Man gibt sich dort wirklich Mühe, die heimischen Produkte, die eng mit der Tradition und der Kultur des Landes verknüpft sind, Leuten wie mir, die mit viel Interesse, aber wenig Wissen kommen, nahe zu bringen. Und wenn ein bisschen “Promotion” dabei im Spiel ist … geschenkt! Nie wurde mir etwas aufgedrängt, nie habe ich mich zu irgend etwas gedrängt gefühlt. Wenn ich etwas gekauft habe, dann war es, weil ich es wollte, weil es mir gefallen hat. Und immer habe ich an meine Frau zu Hause gedacht, die Java und Bali viel besser kennt als ich und sich über die Dinge wirklich freuen wird.

Nach dem Holz kam der Vulkan, der Kintamani. Kein Vergleich mit dem Besuch des Tangkuban Perahu: es gab Mittagessen in einem Restaurant mit Ausblick auf den Vulkan und den nahe gelegenen Batur-See.

Am Nachmittag dann … ich sollte mir noch etwas für morgen aufsparen. Und ich kann eine Steigerung versprechen!

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post Kategorie: Beim Kunden,Reisen post Kommentare (0) post20. September 2010

Am Samstag Morgen hieß wieder: um vier Uhr aufstehen und zum Flughafen fahren. Die Reise nach Denpasar dauerte etwa anderthalb Stunden. Am Flughafen wurde ich von meinem Reiseführer abgeholt … und sofort im Hotel in Kuta abgeladen. Das Besuchsprogramm sollte für ihn erst am Sonntag ablaufen. Etwas verärgert darüber, dass ich so früh aufgestanden bin, um einen ganzen Tag “abzuhängen”, habe ich mein spärliches Gepäck deponiert und bin erst einmal los gelaufen. Das mache ich recht gern, wenn ich an einem Ort bin, den ich nicht kenne. So lerne ich ihn am besten kennen und fange seine Atmosphäre ein.

Natürlich bin ich zunächst am Strand in Richtung Legian gegangen. Man könne dort sehr schön den unzähligen australischen Surfern zusehen, die da ihre Kunst zur Schau stellen, hat mein Reiseführer auf der kurzen Fahrt vom Flughafen ins Hotel gesagt. Ja, das kann man tatsächlich: die Jungs (und paar Mädels) dümpeln minutenlang auf der sanften Dünung liegend umher, warten auf “Die Welle”, nehmen sich nach einiger Zeit die erste beste und stehen ein paar Sekunden – bei manchen sind’s auch nur Bruchteile – auf dem Brett, um sich die 10–20 Meter zum Strand tragen zu lassen. Ich war begeistert! Am Eisbach im Englischen Garten geht’s anders zur Sache. Jetzt verstehe ich, warum der so begehrt ist.

Die Surfer haben mich also nicht vom Hocker gehauen. Auch die Orte Kuta und Legian sind nun nichts wirklich Besonderes. Sie haben trotz der Präsenz vieler Touristen noch eine recht angenehme Atmosphäre, aber eine Reise wären sie nicht wert. Außerdem fing ich an, die Hitze zu spüren und die Tatsache, dass ich viel zu wenig getrunken hatte. Mir war auf dem Rückweg etwas unwohl. Ein halber Liter Wasser hat das aber schnell wieder ins Lot gebracht, und so bin ich am frühen Nachmittag wieder im Hotel eingetrudelt, wo ich jetzt einchecken konnte. Danach habe ich den lieben Gott einen guten Mann sein lasse, habe mich mit Jonathan Franzens “Korrekturen” an die Poolbar gesetzt, einen Fruit Punch nach dem andern geschlürft und auf den Sonnenuntergang gewartet.

Der soll ja nun auch ganz toll sein. Nun, vielleicht hatte ich etwas Pech, weil der Himmel ziemlich bewölkt war, aber mit Hiddensee und Kap Arkona konnte das nicht mithalten. Gut, es gab schöne Farben: der Sand, die Wolken, das Grün der Bäume. Wollen wir nicht zu kritisch sein, sehen wir das Schöne an der Sache. So habe ich mich, friedlich an meiner Kokusnuss nuckelnd, dem Abendessen entgegen gelangweilt.

Das klingt jetzt nicht so toll? Stimmt! Aber morgen wird sich das ändern!

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post Kategorie: Beim Kunden,Reisen post Kommentare (0) post17. September 2010

Ja, ich war diese Woche recht schweigsam. Es gab aber auch einfach nichts zu berichten. Ausgenommen natürlich die täglichen Zumutungen, die heute – eine Woche vor meinem Ausstieg aus dem Projekt – noch einen Grad weiter getrieben worden sind.

Gestern hat man einen “Fehler” bemängelt, dessen Analyse mir zunächst gezeigt hat, dass das erwartete Verhalten gar nicht spezifiziert worden ist. Bevor ich aufstehen und mit dem süßesten Lächeln der Welt den SAP-Spruch (“Works as designed”) aufsagen konnte, fiel mir auf, dass die Anforderung dazu führen würde, dass von den 150 Millionen mühsam aufbereiteten Datensätzen nur eine Handvoll, höchstens 120, jemals verwendet würden. Das habe ich den hiesigen Kollegen in einem Gespräch im Gang kurz erklärt. Die Neuigkeit wurde mit jenem javanischen Lächeln zur Kenntnis genommen, das mir mittlerweile schon vertraut ist. Es sieht manchmal ein wenig mokant aus, verbirgt aber oft nur Unsicherheit. Die habe ich kurz darauf deutlich gespürt: der Ton in den Cubicles um mich herum veränderte sich merklich. Man redete ernster, schneller und immer lauter, Kollegen aus anderen Gebäuden tauchten plötzlich auf. Am Ende des Tages kam der Teamleiter auf mich zu und bat um eine ziemlich aufwändige Korrektur, damit das Verhalten der Anwendung wieder in kontrollierte Bahnen gelenkt wird. Meine erste Aufwandsabschätzung war ziemlich pessimistisch, aber mittlerweile ist mir klar geworden, dass die Code-Änderungen doch überschaubar sind. Das schaffe ich an einem Tag. Aber ich habe mich noch bedeckt gehalten, um im Angesicht immer neuer Anforderungen ein bisschen Spielraum zu behalten.

Jetzt kommt aber erst das Wochenende, und das bringt mich dieses Mal nach Bali. Da gibt es nächste Woche sicher mehr zu berichten.

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post Kategorie: Beim Kunden,Reisen post Kommentare (0) post14. September 2010

Der Fahrer hatte recht: offenbar sind die Ferien oder Feiertage hier noch nicht vorüber. Das heißt, dass meine wichtigsten Ansprechpartner noch nicht wieder arbeiten. Natürlich hätte man es mir sagen können, natürlich hat man das geflissentlich unterlassen. Also sitze ich heute und morgen einsam vor meinem Laptop und verbessere hier ein wenig die Performanz, gestalte dort das Output-Format ein bisschen komfortabler, prüfe wieder und wieder, ob ich die Anforderungen – in denen sehr oft die Phrase “to be discussed” vorkommt – wirklich erfülle, und warte sonst auf die Leute, mit denen ich diskutieren könnte, was noch zu diskutieren ist. Eines ist jedenfalls klar: ich werde meinen Aufenthalt um keine Minute verlängern. Es soll mir mal jemand mit “Wir hatten nicht genug Zeit” kommen!

Für das Wochenende habe ich zwei Tage Bali gebucht. Die Bestätigung habe ich noch nicht, aber wenn das auch nur halb so gut klappt wie die Exkursionen im August, bin ich zuversichtlich.

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post Kategorie: Beim Kunden,Reisen post Kommentare (0) post13. September 2010

Gerade bin ich wieder in Jakarta angekommen, und gleich gab es ein paar Überraschungen. Die erste beim Kauf des Visums: das kostet normalerweise 25 Dollar oder 250000 Rupien. Meine Dollar-Vorräte waren erschöpft, Rupien hatte ich noch nicht eingetauscht, und es gilt: “Only cash!”. Also habe ich meine Euros hervorgekramt. “Thirty three” bekam ich zu hören und habe natürlich sofort nachgefragt, ob es da bei der Umrechnung eine Verwechslung zwischen Multiplikation und Division gegeben hat. Gewundert hätte mich das nicht, denn genau das ist mir neulich – bei einem wesentlich höheren Betrag – mit einer deutschen Bank passiert. Nein, nein, das habe schon seine Richtigkeit, wurde mir beschieden. Mit Grenzbeamten verhandelt man nicht, weder hier noch dahoam, also habe ich mich gefügt und 40 € über den Tresen geschoben. Ich bekam mein Visum und 77000 Rupien Wechselgeld: mein Startkapital. Immer noch besser, als 450000 Rupien Schmiergeld zu berappen. Das wäre heute überflüssig gewesen, denn die sonstige Abfertigung lief schnell und reibungslos.

Die nächste Überraschung war der Verkehr: den gab es nicht. Wer gelesen hat, was ich vor vier Wochen darüber geschrieben hatte, wird mein Erstaunen ermessen können. Der Fahrer meinte dazu, das liege an den Ausläufern des Hari Raya. Sein Wort in Allahs Ohr!

Und schließlich Überraschung Nummer drei: Der Ramadan ist vorüber, und da geht man hier nahtlos zur Wiesn über. Als Willkommensgruß (“Welcome back, Mister Michael!”) gab’s für mich Brezn und Bier. Ich überlege mir noch, ob ich die Leute hier darüber aufklären soll, dass bei dieser netten Geste ein lauwarmes dänisches Gebräu in Dosen, auf denen ein ManU-Verteidiger gefeiert wird, einen gewissen, wenn auch verzeihlichen Stilbruch darstellt.

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