Tintoretto, Tizian & Co.

michael 18. Juni 2009

KircheVenedig (kreuz & quer): Die Überschrift hätte auch “Kultur pur IV” lauten können, denn heute standen Museen und Kirchen auf dem Programm. Erst die Academia, die uns Pinakothek-Verwöhnte nicht wirklich begeistern konnte. Nur der Raum 13 mit Giorgiones Tempesta und einer wundervollen Sammlung von “Maria-mit-dem-Kind”-Tafeln von Bellini, die von einer Pietà abgeschlossen wird, auf der Maria als alte Frau dargestellt wird (und das im 15. Jahrhundert!), hat uns beeindruckt.

Viele Werke der venezianischen Meister hängen aber immer noch an den Orten, für die sie gemalt worden sind, vor allem in Kirchen. Es gibt hier ein spezielles Ticket für 20 Kirchen, die noch alte Kunst enthalten. Davon haben wir gestern und heute schon einige besucht und leiden deshalb gerade ein wenig an einem Tintoretto-Flash. Irgendwann heute Nachmittag – nach dem Besuch des pompösen Dogenpalasts – haben sich erste Sättigungserscheinungen bemerkbar gemacht, die zu einer kleinen Diskussion über die Notwendigkeit eines Markuskirchenbesuchs geführt haben. Das Ergebnis der Beratungen (“Wir machen es natürlich so, wie Du willst, so machen wir es doch immer, Du merkst das nur nicht!”), war ein Blitzrundgang durch den vorderen Teil, zusammen mit ein paar Dutzend anderer Touristen, von denen der weibliche Teil am Eingang züchtig bedeckt wurde, weil bloße Schultern und Schenkel ja den christlichen Glauben ins Wanken bringen, gefolgt von einem Verzicht auf das goldene Altarbild, für dessen Betrachtung die heilige katholische Kirche einen Extra-Obolus kassiert.

In einer Restaurantkritik haben wir übrigens eine schlüssige Erklärung für den hiesigen Hang zu erhöhten Preisen gefunden: “Die Venezianer haben 600 Jahre Erfahrung mit dem Ausnehmen von Touristen. Früher nannte man die nur Kreuzfahrer.”

Es folgen jetzt noch ein Spritz und ein Abendessen mit Daniel und seiner Freundin.

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