Beiträge der Kategorie 'Kaiserwetter'

Ausflug Murano & Lido

claudia 19. Juni 2009

Abendstimmung Venedig: Heute haben wir uns mit dem Boot erst nach Murano und dann nach Lido schippern lassen.

Murano war doch recht ernüchternd. Wirkliche Gläsbläserkunst gab es dort nur nach intensivem Suchen. Die war dann aber richtig toll – wir konnten nur mit Mühe den Kauf einer wunderschönen Vase vermeiden.

In Lido dann tatsächlich noch ein bisschen Beach und Beine im Meer. Ein Eis, so groß, dass wir beim Lecken beinahe einen Zungenkrampf bekommen hätten.

Zum Ausklang des Tages hier am Rialto-Markt wieder einen Sprizz im Stehen. Das war’s.

Heute hat Joan Geburtstag: Nochmals alles Liebe und eine dicke Umarmung!!!

Tintoretto, Tizian & Co.

michael 18. Juni 2009

KircheVenedig (kreuz & quer): Die Überschrift hätte auch “Kultur pur IV” lauten können, denn heute standen Museen und Kirchen auf dem Programm. Erst die Academia, die uns Pinakothek-Verwöhnte nicht wirklich begeistern konnte. Nur der Raum 13 mit Giorgiones Tempesta und einer wundervollen Sammlung von “Maria-mit-dem-Kind”-Tafeln von Bellini, die von einer Pietà abgeschlossen wird, auf der Maria als alte Frau dargestellt wird (und das im 15. Jahrhundert!), hat uns beeindruckt.

Viele Werke der venezianischen Meister hängen aber immer noch an den Orten, für die sie gemalt worden sind, vor allem in Kirchen. Es gibt hier ein spezielles Ticket für 20 Kirchen, die noch alte Kunst enthalten. Davon haben wir gestern und heute schon einige besucht und leiden deshalb gerade ein wenig an einem Tintoretto-Flash. Irgendwann heute Nachmittag – nach dem Besuch des pompösen Dogenpalasts – haben sich erste Sättigungserscheinungen bemerkbar gemacht, die zu einer kleinen Diskussion über die Notwendigkeit eines Markuskirchenbesuchs geführt haben. Das Ergebnis der Beratungen (“Wir machen es natürlich so, wie Du willst, so machen wir es doch immer, Du merkst das nur nicht!”), war ein Blitzrundgang durch den vorderen Teil, zusammen mit ein paar Dutzend anderer Touristen, von denen der weibliche Teil am Eingang züchtig bedeckt wurde, weil bloße Schultern und Schenkel ja den christlichen Glauben ins Wanken bringen, gefolgt von einem Verzicht auf das goldene Altarbild, für dessen Betrachtung die heilige katholische Kirche einen Extra-Obolus kassiert.

In einer Restaurantkritik haben wir übrigens eine schlüssige Erklärung für den hiesigen Hang zu erhöhten Preisen gefunden: “Die Venezianer haben 600 Jahre Erfahrung mit dem Ausnehmen von Touristen. Früher nannte man die nur Kreuzfahrer.”

Es folgen jetzt noch ein Spritz und ein Abendessen mit Daniel und seiner Freundin.

Kanalisiert

michael 16. Juni 2009

StrassePadua – Dolo: Von Padua aus führt der Brenta-Kanal seit dem 17. Jahrhundert an die Lagune. Der hat aus Sicht unseres Wanderführers den großen Vorteil, einen Deich zu besitzen, auf dem man entlang laufen kann. Aber der Kanal hat auch eine Geschichte, und die – so sagt der Wanderführer – sei überall sichtbar: man finde viele grandiose Villen, die im 17. und 18. Jahrhundert von reichen Venezianern an den Ufern des Kanals gebaut worden seien, um der Sommerhitze in der Stadt zu entkommen. Außerdem gebe es eine Vielzahl an Bars und Fischrestaurants. Wir haben gezählt (das war nicht schwer). Hier ist das Ergebnis:

Bars: 1
Fischrestaurants: 0

Zweieinhalb Stunden sind wir also in von keinem Schatten getrübter Sonnenglut geradeaus marschiert, bevor wir in Strà eine Capuccino- und Wasserpause machen konnten. Gegenüber der Salurner Etappe hatten wir aber keinen Gegenwind und keine Rennradler. Dann kam wieder Straße, und zwar unsere schon bekannte SR 11. Und wieder keine Bar, kein Restaurant, keine Möglichkeit, einmal halbwegs gepflegt Pause zu machen. Also sind wir kurz vor Dolo in einem chinesischen Restaurant (sic!) eingekehrt und haben uns unsere Jahresdosis Glutamate zugeführt. Aber lecker war’s, vor allem nach all dem ewig gleichen Trattoria-Futter, das wir in der letzter Woche “genossen” haben.

Ein paar der alten Villen haben wir gesehen – in sehr unterschiedlichem Zustand. Für deren Besichtigung werden teure Bootsfahrten auf dem Kanal organisiert: purer Nepp!

Übrigens wollten auch wir mit dem Boot weiterfahren. Daraus wird nichts, weil die nächsten freien Plätze im September zu haben wären.

Unser heutiger Limerick:

Ein reicher Schönling aus Dolo
war überraschenderweise oft solo.
Denn hinter der Stirn
war zu wenig Hirn
beim dämlichen Schönling aus Dolo.

Kultur pur III

claudia 15. Juni 2009

Goethe-Palme Vicenza – Padua: Der Staatstraßen und Gewerbegebiete überdrüssig sind wir heute direkt mit dem Zug gefahren. Gleich im Hotel den Rucksack abgeworfen und ran an die Padua-Card. Leider ist heute Montag und einige Museen haben geschlossen. Doch der Orto Botanico mit der “Goethe-Palme” und vor allem die Capella degli Scrovegni mit den tollen Giotto-Fresken ist geöffnet.

Normalerweise muss man für die Kapelle ein mittleres Uffizien-Procedere über sich ergehen lassen: Im Voraus reservieren, eine halbe Stunde vorher da sein, Einlass im 15-Minuten-Takt und 15 Minuten Aufenhalt mit maximal 25 Personen. Wir haben Glück: Heute ist nix los (ist ja Montag), und wir können spontan nur mit einem weiteren Besucher die herrlichen Fresken genießen!

Dann hat Padua als zweitälteste Uni Italiens auch noch den ersten Anatomiesaal überhaupt (Teatro Anatomico), und tatsächlich klappt auch da noch eine Besichtigung. Die Führung ist sehr unterhaltsam und der Saal, der nur von unten besichtigt werden kann, zwar viiiel kleiner, als man erwartet – alles in allem aber doch sehr beeindruckend.

Padua selbst ist die intellektuelle Variante von Verona und Vicenza. Durch seine vielen Studenten (65.000) sehr quirlig, und es macht einen recht lebenswerten Eindruck. Im übrigen bekommt man einen wahren Kübel Aperol Sprizz hier schon für 2,50.

Der Barmann Antonius von Padua,
der eigentlich nie richtig nüchtern war,
der mixte den Sprizz
schnell wie der Blitz,
der beschwipste Antonius von Padua.

Kultur pur II

michael 14. Juni 2009

Teatro_OlimpicoVicenza – Vicenza: Palladio war heute das beherrschende Thema. Das Teatro Olimpico, die Pallazi, die Villa “La Rotonda” – wir haben kaum etwas ausgelassen. Naja, das ist ja auch Pflicht, wenn man schon mal hier ist. Eine angenehme Pflicht allerdings! Das Teatro Olimpico, das erste fest gebaute Theater seit der Antike, ist so beeindruckend, dass sich allein seinetwegen eine Reise nach Vicenza lohnt.

Was das Ganze zu einem besonders schönen Tag gemacht hat, ist die Stadt selbst. Wir haben eine Weile nach einem passenden Adjektiv gesucht: etwas Besseres als “charmant” ist uns leider nicht eingefallen. Sonntäglich ruhig hat sie sich uns heute von ihrer schönsten Seite präsentiert. Nur die Klimaanlage hätte sie vielleicht einschalten sollen!

Abgeschlossen haben wir die Tour mit der Villa Valmarana Ai Nani vor den Toren der Stadt. Sie stammt nicht von Palladio, sondern ist erst im 18. Jahrhundert gebaut worden, beherbergt aber Fresken von Tiepolo Vater und Sohn, über die Goethe seinerzeit schon Passendes gesagt hat: Heute sah ich die Villa Valmaran die Tiepolo dekorirt und allen seinen Tugenden und Fehlern freyen Lauf gelassen hat. Der hohe Styl gelang ihm nicht wie der natürliche, und in diesem letzten sind köstliche Sachen da, im Ganzen aber als Dekoration gar fröhlich und brav. Die “hohen” Fresken stammen vom Vater, die “natürlichen” vom Sohn. Das wusste Goethe nicht!

Übrigens ist Goethe damals 6 Tage hier geblieben. Das wäre heutzutage vielleicht etwas übertrieben, aber einen Tag kann man hier sehr angenehm verbringen.

Die kleine Reblaus

claudia 13. Juni 2009

Claudia_mit_EisSoave – Vicenza: Bei schon deutlichen Temperaturen und ein bisschen soaveverkatert starten wir in den heutigen Wandertag. Nach kurzer Zeit treffen wir Daniel, der sich uns für eine Weile anschließt. So ziehen wir gemeinsam durch die Weinberge. Heute ist Spritztag (nicht Aperol Sprizz, sondern Schädlingsbekämpfung). Daniel entkommt der Ladung durch einen Sprint, wir sind seitdem garantiert schädlingsfrei! Bei der ersten Rast verlässt Daniel uns – der Mann ist deutlich fitter.

So ziehen wir alleine weiter durch die glühende Hitze. Kein Schatten, keine Bar. Nur Straße und Sonne und meine Blasen. Nach einer kurzen Trinkrast geht es weiter in einen Ort, der eine Bushaltestelle hat. Neugierig beäugen wir den Fahrplan und sitzen tatsächlich 7 Minuten später im klimatisierten Bus nach Vicenza. Immerhin sind wir 15 km bei mehr als 30 Grad gegangen. Das muss reichen.

Wen treffen wir in Vicenza auf der Piazza? Daniel, aber der ist tapfer gelaufen! Mit einem gemeinsamen Abendessen beenden wir den Tag.

Limerick:

Eine alte Frau aus Vicenza,
die litt unter Schweineinfluenza.
Beim Niesen flog immer
ihr Gebiss durch das Zimmer
der alten Frau aus Vicenza.

Auf der Straße

michael 12. Juni 2009

SoaveVerona – Soave: Es ist leider nicht vermeidbar, aber ich muss schon wieder von Wein sprechen, denn wir sind in Soave angekommen. Sonst gibt es nicht viel Neues zu berichten: Wieder einmal Straße. Hinaus aus Verona, hinein nach San Martino und weiter Richtung Osten. Der Wanderführer behauptet, es sollte allmählich ruhiger werden, wir merken davon nichts. In Pieve haben wir in einer ganz einfachen Trattoria am Straßenrand eine ausgiebige Mittagspause gemacht, und dann ging es weiter an der Straße entlang. 20 Minuten lang war es mal so richtig schön, über den Rest breiten wir den Mantel des Schweigens.

Soave ist nicht unbedingt eine Reise wert, aber wir haben den Wein der Region in mehreren Enotecas gebührend würdigen können. Immerhin! Außerdem haben wir beim Abendessen unseren netten Mitwanderer Daniel wiedergetroffen, den wir seit Brixen kennen. So kommt sogar ein kleines bisschen Camino-Feeling auf.

Unser Limerick ist heute nicht der Brüller, wir sitzen nämlich noch mit Daniel beim Spritz und haben nicht den richtigen Nerv zum Dichten. Trotzdem:

Ein schöner Tenor aus Soave
traf nie die richt’ge Oktave.
Den Mädchen war’s gleich,
’s gab immer Gekreisch
beim schönen Tenor aus Soave.

PS: Der Abend ist noch lang geworden. Es geht jetzt schon auf ein Uhr nachts zu.

Kultur pur I

claudia 11. Juni 2009

Torre_dei_LambertiVerona – Verona: Nach dem spontanen Kauf der “Verona-Card” war es klar – heute ist Besichtigungstag. Also Arena, Dom, Teatro Romano und Museo Archeologico, Casa di Giuletta, Castello Vecchio… Wir haben uns alles ganz gemütlich einverleibt. Selbst auf den Torre dei Lamberti sind wir trotz Aufzug und meiner Höhenangst zu Fuß raufgestiegen. Irgendwie muss das Eis zwischendurch ja verdient werden. Hier ist es höllisch heiß.

Nun sitzen wir gemütlich auf unserer Hotel-Terrasse mit Blick auf die Piazza delle Erbe und den besagten Torre. Das Foto von ihm ist übrigens hier sitzend mit ‘nem Glas Bier in der Hand entstanden. Die Darstellung hat nichts mit unserem Alkoholkonsum zu tun. Es wird leider nur in der Vollansicht korrekt angezeigt.

Heute kein Limerick, sind ja immer noch in Verona.

Verona

michael 10. Juni 2009

VeronaBussolengo – Verona: Ein Spaziergang von gut 14 Kilometern! Glücklicherweise habe ich den Wanderführer etwas missverstanden und habe uns auf das linke Ufer der Etsch und nicht des Etschkanals gelotst. Dort fanden wir einen ruhigen Schotter- und Sandweg bis Settimo: das erste Mal seit Brixen, dass wir weder von Radrennfahrern noch von Autos belästigt wurden.

Nach einem Cappucinopäuschen ging es dann zurück auf den Radweg am Etschkanal und geradewegs Richtung Arena. Ein paar hundert Meter vor dem Ziel haben wir uns entschlossen, in einem netten Straßencafé einzukehren und eine Kleinigkeit zu essen. Anschließend vorbei an der Arena Richtung Piazza delle Erbe. Untergekommen sind wir im schnuckeligen Hotel Aurora. Hier bleiben wir jetzt bis übermorgen und führen uns die erste große Dosis Kultur zu.

Aber natürlich haben wir uns nach der obligatorischen Körperpflege einen Moment auf den “Listone” an der Piazza Bra gesetzt und unter der Arena bei einem Aperol Sprizz Leute geguckt.

Und was für ein Abend! Nachdem wir eine Weile nach einer Trattoria oder Osteria gesucht haben, uns letzten Endes, weil uns nichts so richtig gefallen hat, mehr aus Verlegenheit auf der Piazza dei Signori im Antico Caffé Dante niedergelassen haben, wurde uns dort ein 5-Gänge-Menü der Extraklasse für einen unschlagbaren Preis geboten, alles unter den Sternen auf einem schönen, lebendigen Platz.

Obwohl es nicht leicht ist, auf die italienischen Ortsnamen deutsche Reime zu finden, haben wir wieder keine Mühe gescheut, einen Limerick zu fabrizieren. Eine Imbissbude am Wegesrand hat uns das entscheidende Stichwort geliefert:

Ein hartnäckiger Gläubiger aus Verona
traf einst die Pooth in Persona.
Er sagt’ ihr: “Don’t worry!
Take Wurstel con curry!”,
der scharfzüngige Gläubiger aus Verona.

PS: Claudia bemängelt, dass ich zu viel übers Essen und überhaupt zu viel schreibe. Ich bitte zerknirscht um Nachsicht!

Uferpromenade

michael 8. Juni 2009

TorriMalcesine – Torri del Benaco: Einen ganzen Tag am See entlang! Ja, es gab ein paar kurze Straßenpassagen, und die letzten Kilometer hinein nach Torri del Benaco waren alles andere als spektakulär. Aber der größte Teil des Wegs war das, was uns versprochen worden ist, was wir kaum zu erwarten gewagt haben: über Uferpromenaden, Kies und Gras unmittelbar am Wasser, und immer abwechslungsreich und kurzweilig.

Und zum allerersten Mal gab es auch wirklich ausreichend Restaurants und Cafés am Weg. Zur Mittagspause gab es deshalb schon eine moderate Lasagne (“Ich ess’ nie wieder!”), die wir dann über gut 10 km wieder abzubauen uns bemüht haben. Hoffentlich mit Erfolg!

Einmal in Torri del Benaco angekommen haben wir eingecheckt und uns sofort auf die Terasse der Hotelbar an der Hafenpromenade begeben, um einen Aperol Sprizz zu schlürfen und die Huldigungen der Massen entgegenzunehmen. Dummerweise hat ein vorbeifliegender gemeiner Spatz (Sperling, passer domesticus) es für nötig befunden, sein Geschäft direkt über mir zu verrichten. Und frischer Vogelmist auf Hemd, Hose und beiden Armen tut dem Effekt frisch geduschten Wandergesellentums doch einigen Abbruch. Also standen vor dem Restabend erst einmal Umziehen und große Wäsche an. Aber auch das tragen wir mit Humor!

Jetzt sitzen wir nach dem Abendessen auf unserem Balkon drei Etagen über dem See und genießen die laue Frühsommerluft.

Liebeliebe Sonja: wir ham schon häftig auf Dich angestoßen (Spritz und Lugana und Grappa) und grateliern Dir hätzlich!

Und jetzt noch der obligatorische Limerick:

Ein Hotelier in Torri del Benaco,
der erholte sich gern in Monaco.
Er schwörte auf den Isarstrand,
weil er die Mädchen hübscher fand,
der Schwerenöter aus Torri d/B.

Heute Ruhetag

claudia 7. Juni 2009

CastelettoMalcesine – Malcesine: Heute hatten die Füße Pause. Mit einer Bootstour von Malcesine bis nach Sirmione und zurück, die sage und schreibe einen ganzen Tag beansprucht hat (3 Stunden hin, 3 Stunden zurück und eine Stunde Pause in Sirmione), haben wir unseren Ruhetag bestritten.

Der Gardasee und seine Örtchen sind wirklich nett, und ich finde es hier viel schöner als in der Toskana. Wenn man bedenkt, dass er von uns genauso weit entfernt ist wie Frankfurt (sorry, Harald P.)… Vielleicht fahren wir das nächste Mal ja sogar mit dem Auto und ich kann ein bisschen shoppen.

Statt Limerick:

Fuesse-im-Wasser

Fettverbrennung II

claudia 5. Juni 2009

TrientSalurn – Trient: Und weiter geradeaus auf dem Deich. Heute die Etsch mal links und die Bäume rechts. Der Wind nach wie vor von vorn, die Sonne von oben, die Radler von allen Seiten. Und das Ganze wieder auf mind. 28 km. Nach blasenbedingt tapfer gehumpelten 4 Stunden war dann Schluss: Wir sind in den Zug gestiegen und die restliche Strecke ganz gemütlich GEFAHREN. Welch’ ein Erlebnis! Die so gewonnene Zeit haben wir in die Besichtigung des Städtchens Trient und den Kauf von weiteren Blasenpflastern investiert. Eine weise Entscheidung.

Da unser Wanderführer für morgen genau die gleiche Wegbeschaffenheit verkündet, werden wir ganze 2,50 € pro Nase für die Fahrkarte zum Zielort Rovereto ausgeben und von dort direkt zum Gardasee laufen. Schließlich sind wir im Urlaub. Und was ganz toll ist: Bei sowas sind wir uns immer einig!

Es war ein Student in Trient,
der hatte die Wiesn* verpennt.
Drum trinkt er sein Bier,
auch weiterhin hier.
Der Langzeitstudent in Trient.

*Inspiriert von einem Hacker Pschorr, das wir gerade aus 0,2l-Krügen trinken!

Fettverbrennung

michael 4. Juni 2009

DeichBozen – Salurn: Irgendetwas Positives muss man auch an dieser Etappe sehen. Außer den Auwäldern zwischen Etsch und Eisack, die ein wahres Vogelparadies sind. Danach kamen …

… 6 Stunden Deichlaufen. Immer geradeaus. Rechts die Etsch, links Obstbäume. 6 Stunden. Das dauert! Und dann der Wind von vorn. Wir haben angefangen, uns auf Büsumer Krabbensuppe und ‘n gepflegtes Jever zu freuen.

Liebe Wanderer! Schenkt Euch diese Etappe. Es lohnt sich nicht! Es sei denn, Ihr wollt, während Eure Füße sich allmählich auflösen, über die Nichtigkeit des Seins meditieren. Aber auch das geht nicht, weil Ihr alle zwei Minuten von den Radmordgruppen Eisacktal etc. aufgeschreckt werdet. Noch einmal: Bozen – Salurn ist für Wanderer verzichtbar. Leiht Euch ein Rad oder fahrt mit dem Bus!

Außer auf Rennradfahrer (siehe Isarbiker) entwickeln wir mittlerweile eine herzliche Aversion gegen den Autor unseres Wanderführers. 28 km sollten es heute sein. Unser GPS-Gerät zeigt uns hier in Salurn eine Luftlinien-Entfernung von 30,4 km zum Ausgangspunkt in Bozen. Wenn man die Windungen der Etsch und des Eisack berücksichtigt, sind wir heute mindestens 35 km gelatscht. Die Folgen sind klar: Erschöpfung, Blasen an den Füßen und Urinstau (für Frauen gibt es auf dem gesamten Radweg keine Pinkelmöglichkeit, Männer haben es da ja etwas leichter). Gut, solche Etappen muss es auch geben! Wie gesagt: wenigstens auf unseren Bauchumfang hat das heute wohl einen negativen, also durchaus wünschenswerten Effekt gehabt.

Wie toll wir drauf sind, beweist die Tatsache, dass wir trotzdem einen Limerick zustande gebracht haben:

Die Volkshochschultanzgruppe Salurn
präsentierte sich gern im Kothurn.
Man fand es bizarr,
beschimpfte sie gar,
die schräge Tanzgruppe aus Salurn.

Halbzeit

claudia 3. Juni 2009

HalbzeitAtzwang – Bozen: Nach nicht enden wollenden, läppischen 15 km haben wir die Hälfte unserer Tour in Bozen erreicht. Klar, dass man von einem wildromantischen Wanderweg nicht gleich in der historischen Altstadt ausgespuckt wird, aber teilweise war der “ewige” Marsch durch die Peripherie doch sehr fad. Hier in Bozen nun entschädigt uns die schöne Stadt mit hochsommerlichem Wetter und nimmt uns in ihren Bann. Schnell haben wir in der Altstadt eingecheckt und feiern die Hälfte der Strecke mit mehr als einem Sprizz, der hier Veneziano heißt. Deutlich sind wir nun dem “richtigen” Italien nahe, und es ist eine witzige Mischung aus italienischer und tiroler Lebensart.

Die schweren Wanderschuhe haben wir kurz entschlossen gegen leichte Trekkingschuhe getauscht (sponsored by “Süßl”) und die alten wieder mit einem Päckchen nach Deutschland geschickt. In 20 Tagen, so wurde uns versprochen, sind sie da. Werden sie auch zu Fuß transportiert? Wir sehen schon Packerl-Sherpas mit Touristen-Päckchen über den Brenner hecheln. Nein, der Postbeamte versichert, dass sie mit der Bahn transportiert werden. Nun gut.

Limerick:

Ein Reiseveranstalter in Bozen,
der wollte uns nach Paris lotsen.
Er versucht es vergeblich,
denn wir woll’n Venedig,
trotz Touriverführer in Bozen.

Für die Techies: Wir haben jetzt eine italienische Prepaid-Simkarte erstanden, da die deutschen Anbieter entgegen anderer Versprechen uns total gemolken haben.

Der lange Marsch

michael 2. Juni 2009

WilliBrixen – Atzwang: Wieder eine 30-km-Etappe, und das obwohl der Wanderführer uns 21 km vorgegaukelt hat. Die erste Hälfte war einfach nur schön: am Eisack-Fluss entlang hinaus aus Brixen (wo war übrigens die arbeitende Bevölkerung im Gewerbegebiet?), dann durch die Obstplantagen nach Albeins, durch den Wald in Richtung Klausen und dann, ja dann … Erst kam wieder der bereits bekannte Radweg, und es war wieder viel los: Männergruppen, Paare, Familien … ja, muss denn hier keiner arbeiten? Ortsschild Klausen und keine Einkehr in Sicht. Überall hieß es: heute Ruhetag. Doch schließlich erlöste uns der Klostersepp mit alkoholfreiem Bier, Spaghetti und Gemüsesuppe.

Wenn wir nur ein paar hundert Meter weitergegangen wären, hätten wir die hübsche Altstadt von Klausen erreicht. Zwar war es auch hier erstaunlich ruhig (alle Geschäfte geschlossen, an einem Dienstag), aber in dem einen oder anderen Gasthof hätten wir durchaus einkehren können.

Weiter über den Radweg nach Waidbruck (war halb so schlimm), dann Richtung Atzwang. Irgendwann standen da ein paar Umleitungsschilder, die wir Fußgänger generös ignorierten. Der Weg wurde wieder richtig schön, das Eisacktal eng und wild, Autobahn und Staatsstraße waren nah, aber nie störend. Dann hieß es: Zutritt verboten. Auch das wurde ignoriert, und zu Recht, denn statt des Asphalts hatten wir jetzt einen Sandweg, der mal das Fundament für den Radweg bilden soll. Kurz vor dem Ziel dann doch noch das Pfadfinder-Abenteuer: Entweder durch den Staatsstraßentunnel oder durch die Baustellenreste über dem Tunnel. Der Tunnel war natürlich eine No-Go-Zone, also rüber über die Baustelle. Aber all das war schnell vergessen, als wir endlich in Atzwang ankamen. Zwar hatte die “Alte Post” zu (Ruhetag), aber im Urbankeller sind wir von der Familie so freundlich aufgenommen worden, dass wir uns ganz entspannt niedergelassen und sofort richtig wohl gefühlt haben. Hier kam dann auch die Aufklärung über die sonntägliche Atmosphäre im Lande: Wir haben heute den “Tag der Republik”, und die Nation feiert ein verlängertes Wochenende.

Unseren täglichen Limerick geben wir Euch heute:

Es war eine Hausfrau aus Atzwang,
die litt unter furchtbarem Waschzwang,
so schrubbt sie missmutig
die Hände sich blutig,
die traurige Hausfrau aus Atzwang.

PS: Wir freuen uns über jeden Eurer Kommentare. Bitte weiter so!

Wanderalltag

claudia 1. Juni 2009

NeustiftMauls – Brixen: Nach einem fulminanten Frühstück brachen wir ausgeruht nach Brixen auf. Der Weg führte stundenlang eintönig über den neu angelegten Rad-/Wanderweg. Das hatte einerseits den Vorteil, dass wir uns nicht um den Weg scheren mussten und so dumpf, unseren Gedanken nachhängend, vor uns hintraben konnten, andererseits war es stinklangweilig und die Füße ermüdeten auf dem Asphalt schneller. Ich fände den Weg übrigens auch als Radfahrer langweilig. Naja.

Unsere geplante Mittagsrast am Vahrnsee verpassten wir irgendwie und hockten stattdessen auf einem Bänkchen irgendwo in seiner Nähe. Erst der Weg zum Kloster Neustift und das beeindruckende Kloster selbst, stimmten uns wieder fröhlich. Nach einer weiteren Rast, bei der wir uns heute ein Bier gönnten (sonst gab es Alkohol immer erst nach dem Wandern), zogen wir gut gelaunt in Brixen ein.

Hier kommt nun 100% Südtirolfeeling auf. Ein schnuckeliges Städtchen mit viel südlichem Charme, der von den sommerlichen Temperaturen noch unterstützt wird.

Ein kleiner Einblick in unseren Wanderalltag, denn nach einer Weile stellt sich natürlich auch beim Wandern eine gewisse Routine ein: Aufstehen zwischen 7:30 und 8:00, dann gemütlich frühstücken, zusammenpacken und los meist kurz nach 9:00. Danach alle eineinhalb Stunden eine Pause von gefühlten 15 Minuten (die tatsächliche Verweildauer richtet sich nach dem Zustand der Erschöpfung). Mittags eine gute Stunde und dann mit vorgenanntem Pausenrythmus weiter. Am Ziel angekommen Hotelsuche, Wäsche waschen, duschen, lecker essen. Noch ein bisschen bloggen und das war’s… Optional: Besichtigungen, ein bisschen shoppen.

Natürlich haben wir keine Mühe gescheut und selbst für Brixen einen Limerick:

Es war ein Barmann in Brixen,
der verstand sich glänzend auf’s Mixen.
Doch die Kundschaft hier,
wollte lieber ein Bier
von dem frustierten Barmann in Brixen.

Südtirol

claudia 30. Mai 2009

SchellebergGries a. B. – Sterzing: Na, nach der “Abenteuer Wildnis”-Einlage gestern Abend waren wir heute morgen schon etwas verlangsamt. Trotzdem sind wir wieder 1,5 Tagesetappen gegangen: Den Vormittag haben wir dann mit einer mäßigen Tour durch mäßige Orte (Brenner) verbracht. Nett war die Einkehr im Gasthof Silbergasser in Brennerbad. Danach ging es auf ehemaligen Bahngleisen weiter, die irgendwann mal der Rad-/Wanderweg nach Verona werden sollen. Neben Baustellen gab es dort auch spannende Durchquerungen der ehemaligen Eisenbahntunnel.

Ansonsten waren die bislang durchschrittenen Ortschaften wie Gossensass eher unspektakulär. Die Brennerautobahn übrigens schnurbelt friedlich so um einen herum, lästig ist eher hie und da die Brennerstraße mit ihrer Pfingstpest: Motorradfahrer.

Hier nun auch mal kurz was zu unserem Wanderführer:
Lobenswert hervorzuheben ist unserer Meinung nach lediglich die Idee. In seiner Ausführung ist er oft falsch oder zumindest unpräzise. Oft könnten markantere Wegpunkte als die beschriebenen genannt werden. Auf einen Lektor hat man scheinbar völlig verzichtet: Falsche Namen, wo man hinschaut. Auch sind die Bauern über Wegbeschreibungen, die über ihre ungemähten Wiesen führen, besonders erfreut! Latschen die meisten Wanderer doch quer drüber, anstatt am Rand zu gehen.

Nun sind wir im schönen Sterzing und haben nach einem entspannenden Saunagang auch ein köstliches Vier-Gänge-Abend-Menü hinter uns. Wir lieben übrigens Restaurants, deren Tische über einen Metallfuß verfügen: Können wir dort doch unsere “qualmenden” Füße wunderbar kühlen!

Und hier unser Limerick:

Es war ein Amtmann in Sterzing,
der gerne mal querfeldein ging.
Danach gab’s ein Bier,
am Sonntag auch vier
für den wackeren Amtmann aus Sterzing.

Übers Ziel hinaus

michael 29. Mai 2009

GriesPatsch – Gries: Der Reiseführer hatte für heute eine Etappe bis Steinach empfohlen. Die Bärenwirtin in Patsch hat aber nach einem kurzen Blick auf unsere gestählte Physis deklariert, wir könnten es leicht bis Gries schaffen. Eine kurze Überlegung (28 km bis Gries und dann 25 km bis Sterzing, d.h. zwei Tagesetappen statt drei) hat uns überzeugt, es zu versuchen. Wir würden einen Tag gewinnen, den wir am Gardasee oder anderswo “abhängen” könnten. Die Entscheidung haben wir uns aber bis Steinach aufgehoben.

Dann kamen die ersten Kilometer durch Feld und Wald, die uns so richtig auf den Geschmack gebracht haben. Als wir vor der Wahl standen, an der Straße weiter zu gehen oder den “Wipptal-Wanderweg” zu nehmen, der uns zwar ein paar Kilometer und Höhenmeter mehr aufbürdete, dafür aber von der Straße wegführte, haben wir uns, ohne zu zögern, für die längere, vermeintlich schwierigere Variante entschieden. Bis Pfons. Da sind wir auf die Straße gewechselt, weil wir in Matrei Mittagspause machen wollten. An diesem netten Städtchen mit seinen Gasthöfen vorbeizugehen, wäre ein echter Verlust gewesen.

Eine gute Stunde später waren wir in Steinach. Die Entscheidung ist nicht schwergefallen: Einen kleinen Braunen später waren wir unterwegs nach Gries. Aber da wir ursprünglich ja hier bleiben wollten, haben wir uns doch noch einen Limerick gebastelt:

Es war ein Bauer in Steinach,
der sich beim Melken ein Bein brach.
Die Kuh fand das witzig,
da wurd’ er ganz hitzig,
der zornige Bauer aus Steinach.

Auf dem Höhenweg nach Gries hinter Stafflach kam dann leider noch ein unerwartetes Abenteuer: wir haben uns völlig verstiegen, fanden uns in unwegsamem, steilen Gelände wieder und mussten über die Wiesen zur Straße absteigen – ein echtes Vergnügen mit einem 10-kg-Rucksack. Die letzten Kilometer waren dann so anstrengend, dass für einen Grieser Limerick nicht mehr viel Energie übrig blieb:

Es war ein Wandrer in Gries,
der täglich ‘nen Limerick verhieß,
es fiel ihm nichts ein,
da ließ er es sein,
der schlaffe Wandrer in Gries.

Hinab ins Inntal

michael 27. Mai 2009

Michael_beim_BloggenSeefeld – Völs: Die Kaltfront ist da, und es regnet. Welch eine Wohltat! Gut eingehüllt und gut gelaunt brechen wir auf. Das bisschen Regen kann uns doch nicht schrecken. Erste Pause kurz vorm Einstieg in den Abstieg, am Riedsteig. Und danach wird es immer schöner. Das gilt für den Weg und das Wetter. Der Himmel wird heller, bald kommt das erste Blau, und der Pfad durch den Wald zwischen B177 und A12 ist ein Traum. Immer wieder öffnen sich Blicke aufs Inntal (leider nicht darüber hinaus, weil die Berge noch von Wolken verhüllt sind), und es geht sanft und stetig bergab. Mittagspause machen wir ausgerechnet im Rasthaus Zirlerberg an der B177. Den Stau auf der Straße quittieren wir mit einem Lächeln.

Dann vorbei an der Fragenburg-Ruine nach Zirl, hinunter zum Inn und nach Osten. Die Autobahn kommt näher, der Lärm nimmt zu, doch plötzlich sitzt doch ein leibhaftiger Wiedehopf vor uns! Wir halten den Augenblick im Video fest und freuen uns noch lange über diese unverhoffte Begegnung.

Danach wird’s öd. Ein paar Kilometer eingeklemmt zwischen Inn und Autobahn, aber auch das muss ja mal sein. Gut angekommen in Völs sitzen wir jetzt in einem schottischen Café mit freiem W-Lan (das muss ich so ausdrücken, um mich nicht dem Vorwurf des Product Placements auszusetzen) und schreiben unseren heutigen Limerick:

Eine reifere Dame aus Völs
die streifte gern nachts durchs Gehölz.
Da trat ihr ein Reh
genau auf den Zeh,
der verdatterten Dame aus Völz.

Wann kommt die Kaltfront?

claudia 26. Mai 2009

Claudia_mit_LappenMittenwald – Seefeld: Puh, wenn die letzten Tage heiß waren, dann war es heute unerträglich. Nachdem wir auf dem Postweg ein paar Sachen für kalte Tage in die Heimat gesendet hatten, brachen wir um 9:30 bereits bei glühender Hitze nach Scharnitz auf. Ich benutzte mein Mini-Wanderhandtuch oder mein großes Wandertaschentuch (auf jeden Fall ein Lappen, den man ganz klein in einem Täschchen am Rucksack befestigen kann), um ihn mit Bachwasser benetzt kühl auf meinem Schädel zu platzieren. Irgendwie fanden wir, dass die uns entgegenkommenden Personen heute besonders fröhlich waren, bis ich mich das erste Mal mit der Kopfbedeckung gesehen habe. Naja, ich will ja nicht an der Wahl zur “Miss Wanderwelt 2009″ teilnehmen.

So schritten wir tapfer auf lauschigen Wegen durch die Hitze. In Seefeld dann schnell noch ein bisschen Shopping (Speicherkarte für Michaels Videokamera und für mich eine kurzärmelige Bluse), und nun lassen wir es nur noch gemütlich ausklingen. Ach ja, der Limerick:

Ein wilder Bursche aus Seefeld,
der wagte sich weit auf ein Schneefeld.
Das Schneefeld brach ab,
und ward ihm zum Grab,
dem tollkühnen Burschen aus Seefeld.

Sagte ich eigentlich, dass ich eine Fotoserie über Duschköpfe in Hotels mache?

Karwendelgeschichten

michael 25. Mai 2009

KarwendelUrfeld – Mittenwald: Wieder so ein Tag mit hochsommerlichen Temperaturen. Claudia hat es glatt die Sprache verschlagen, sie hat den Tag über kaum etwas gesagt, erst nach einem Weißbier und einem Südtiroler Bauernpfannkuchen am Abend lief sie zu alter rhetorischer Form auf.

Unsere Gesichtsfarbe fängt an, wie drei Wochen Antalya Beach Resort (*****) auszusehen. Und wir sind erst bei Tag fünf. Das ist überhaupt so eine Sache: nach fünf Tagen auf Schusters Rappen sind wir so weit weg von allem … Dass wir mit dem Urlaub schon mit dem Schließen der Haustür angefangen haben, trägt sicher dazu bei. Und die Einschränkungen, die man auf sich nimmt, wenn man nur 10 kg Gepäck mitnehmen kann, sind ein weiterer Faktor. Wir sind in ein anderes Leben getaucht. Eine Erfahrung, die wir bei längeren Wanderungen immer wieder machen.

So, genug der Philosphie, zurück zum Praktischen: Mittenwald an einem Montagabend im Sommer ist eine Mischung aus traumhafter Alpenstimmung und lupenreinem Touristennepp. Kein Restaurant ohne “Heut spuit die Musi”, aber dieser Karwendel im Abendlicht … Da muss ich an meine Großmutter denken, die ihr Leben lang vom Alpenglühn geträumt, es aber nie wirklich erlebt hat, nur als Wandgemälde in einer Berliner Kneipe …

Das ärztliche Bulletin zum heutigen Tag: normale Erschöpfungssymptome in allen vier Beinen, sonst nix.

Und natürlich haben wir einen Limerick zustande gebracht:

Ein Geigenbauer aus Mittenwald
hat sich in ‘ne Bratscherin verknallt.
Die wollt’ nur ‘ne Saite
und suchte das Weite
vorm Geigenbauer aus Mittenwald.

In der Hitze der Filze

michael 23. Mai 2009

Wanderweg_BBBerg – Benediktbeuern: In sengender Hitze, als ob Italien sich schon jetzt bei uns anmelden möchte, haben wir die 30 km-Etappe von Berg nach Benediktbeuern bewältigt. Der eine oder andere innere Schweinehund hat schon sein Haupt erhoben, während wir über nicht enden wollende Schotterwege durch den Roß-, Breit-, Weid- und Auerfilz gestapft sind.

Am Morgen, nach einem netten Abend und einer geruhsamen Nacht im Landgasthof Berg waren wir noch bester Laune, wenn auch in vollem Bewusstsein der Tatsache, dass wir eine der längsten, wenn nicht die längste Etappe unserer Tour vor uns hatten, aufgebrochen. Und eigentlich ging alles sehr gut. Wenn in diesen Filzen (norddeutsch: Moore) nur eine einzige Einkehr, ach was: eine Bank, ein Baumstamm zur Rast geladen hätten. Bis zur Reindlschmiede haben wir uns durchschlagen müssen, und da sind die Schuhe fast wie von selbst von uns abgefallen, ein kühler Trunk, ein bescheidenes Mahl haben uns wieder Mut und Kraft für den letzten Teil des Weges gegeben.

BB! Kennt jemand den Wanderweg “BB”? Wir nicht! Gesucht haben wir mit Eifer, gefunden haben wir Wiesen, über die wir uns bis zum Ziel im malerischen Benediktbeuern – Goethes Zitat gilt noch immer – durchgeschlagen haben. Das Willkommen im Gasthof Zur Post war dafür um so herzlicher, das Abendessen vorzüglich … und UMTS komplett abwesend. Deshalb kommt unser Eintrag mit einem Tag Verspätung und ohne Bild. Beschwerden bitte an O2EplusVodafoneTMobile!

Den Limerick des Tages möchten wir Euch trotzdem nicht vorenthalten:

Ein Mönchlein aus Benediktbeuern
das wollte das Kloster verscheuern.
Der Abt war entsetzt,
die Gemeinde vergrätzt
über den Sünder aus Benediktbeuern.

Und weil wir ja mit Goethe reisen, kommt noch ein tagesaktuelles Distychon im Sinne der Xenien:

Felix heißt glücklich, durch Tüchtigkeit haben doch er und die Wölfe
heute den Titel errungen – den Bayern zur Schmach.

Heimspiel

michael 21. Mai 2009

flossfahrtMünchen – Ebenhausen: Antenne Bayern hat heute morgen 30 Grad angekündigt und gewarnt: “Nehmen Sie sich nicht zu viel vor.” Nein, normalerweise hören wir nicht Antenne Bayern, aber beim Bäcker unseres Vertrauens gab es kein Entkommen.

Wir haben uns 27 km vorgenommen und geschafft. Was für ein Weg! Auf vertrauten Pfaden hinaus aus der Stadt – die heute morgen noch recht ruhig war – ins Isartal. Am Flaucher dann ein bisschen “nude watching”, dann eine erste kleine Pause am Zoo, Mittagspause in der Wawi (ja, liebe Nicht-Münchner, versucht mal herauszufinden, was das ist; kleiner Tipp: unsere “Einkehr”-Links), dann weiter Richtung Süden. Traumhaftes Wetter, wunderschöne Isarauen, Myriaden von Vatertagsflößern … ein bisschen zu viel Mountainbiker, denen die Moutains fehlten, weshalb sie auf Wandererjagd gegangen sind – wie Mercedes-Testfahrer auf der A5. Wir haben so eine neue Steigerung von Weichei und Warmduscher gefunden: Isarbiker.

Irgendwann fingen dann tatsächlich die Knochen an zu jammern. Bei mir die lädierte linke Wade und die Adduktoren, bei Claudia der … hmm, wie sage ich das jetzt … verlängerte Rücken. Und kurz vor dem Ziel jammerte dann auch Claudia, nicht ganz zu Unrecht, denn wir mussten ein Stück an der Rennstrecke vom Kloster Schäftlarn nach Hochschäftlarn entlanggehen.

Aber jetzt sitzen wir bei Weißbier und der Aussicht auf einen Zwiebelrostbraten am Gasthaustisch und … bloggen. Beinahe wäre das noch schief gegangen, wenn ich nicht noch die Nameserver in /etc/resolv.conf … ach lassen wir das, war nur für die Techies … Claudia war glücklich: ihr reichen dafür schon ein Bier und eine IP-Adresse.

Und jetzt noch der Limerick des Tages:

Es war ein Mann aus Ebenhausen,
der hatte den Kopf voller Flausen.
Die Einen fanden’s blöd,
die Andern fanden’s öd,
so bleibt es stets fad in Ebenhausen.

Und weil’s so schön ist, noch einer zur unmittelbaren Nachbarschaft:

Es war ein Mann in Wolfratshausen,
der wollte von München nach Erding sausen.
Er verirrt sich rhetorisch,
so wird es notorisch,
der Mann muss zurück nach Wolfratshausen.